Luigi Tecce - der besondere Weinmacher

Nachdem ich bei den Campania Stories im September 2020 zum ersten Mal Luigi Tecce kennengelernt hatte, wollte ich Luigi unbedingt besuchen. In Zeiten von Corona war das leider nicht so einfach. Nachdem ich dann wusste, dass ich Anfang Juni 2021 in Kampanien sein werde, habe ich ihm eine Nachricht zukommen lassen, ob wir (Mariangela und ich) ihn besuchen können. Er hat sofort geantwortet und uns den Termin bestätigt. In Paternopoli angekommen hat er uns gleich seine Geschichte und auch seine Philosophie zu den Weinen erzählt.


Abb. 1: Sicht von den Weinbergen auf das Weingut von Luigi Tecce und das wunderschöne Irpinia


Luigi ist 1971 in Paternopoli geboren. Als er 11 Jahre alt war, ist sein Großvater gestorben. Dieser Großvater hatte Weinberge, wo er Wein zum Eigenverbrauch erzeugte. Auch hat er offenen Wein verkauft, hatte den Wein aber nicht vermarktet. Als Luigi 20 Jahre alt war, ist er als Assistent eines Parlamentariers aus dem Irpinia mit nach Rom gegangen. Das bedeutete für ihn Montag bis Donnerstag in Rom, donnerstagabends aber immer wieder zurück ins geliebte Paternopoli. Als zwei Jahre später sein Vater dann plötzlich verstorben ist, hat er den Job in Rom aufgegeben und sich entschlossen die Weinberge zu übernehmen und Wein zu erzeugen.


Abb. 2: Luigi Tecce


Das Interessante dabei ist, dass er nie ein Buch über das „Weinmachen“ gelesen hatte. Auch hatte er nie die Beratung durch einen Önologen in Anspruch genommen. Er hatte noch Wissen, das er von Vater und Großvater mitbekommen hatte. Den Rest hat er sich alles autodidaktisch selbst beigebracht. Er hat dabei immer versucht der Natur zu folgen und dabei einen Ausgleich zu finden. Man merkt das, wenn man ihm zuhört, wie er über die Weinberge spricht, die unterschiedlichen Böden seiner Weinberge zeigt und erklärt. So war vor Millionen Jahren dort ein Vulkan, was dafür sorgte, dass heute noch vulkanisches Gestein zu finden ist. Nicht weit davon konnte er zeigen, dass der Sand einem früheren Strand am Meer entspricht. Auch das konnte er geologisch erklären. Es ist einfach faszinierend Luigi zuzuhören. Sein Wissen ist einfach sehr beeindruckend. Ob es um die geologische Beschaffenheit der Böden geht, ob es um das „Weinmachen“ im Gleichklang mit der Natur geht oder ob es um die Geschichte und die Gegenwart Kampaniens geht. Hier kommt auch immer wieder der Stolz auf Kampanien, Neapel und die Heimat heraus. Ein sehr positiver Stolz, in keinster Weise mit Überheblichkeit zu verwechseln.


Abb. 3: Luigi Tecce beim Erklären der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit seiner Weinberge


Luigi Tecce produziert bis jetzt vier verschiedene Etiketten (Weine), bald kommt jedoch noch ein fünftes Etikett dazu. Es sind dies mit dem Poliphemo und dem Puro Sangue zwei Taurasi Riserva. Dazu kommt mit dem Satyricon ein Campi Taurasini sowie mit dem La Cyclope ein Irpinia Rosato, also ein Roséwein. Diese vier Weine sind alle zu 100% aus der Aglianico Traube hergestellt. Der fünfte Wein, der bald hinzukommen wird, ist ein Weißwein, eine Cuvee aus Fiano, Greco, Coda di Volpe und Muscado.


Abb. 4: Weinprobe bei Luigi Tecce - 1


Abb. 5: Weinprobe bei Luigi Tecce - 2


Die schon besonderen Namen seiner Weine hat Luigi der griechischen Mythologie entnommen, und das hat er auch sehr bewusst getan. Er erklärte das wie folgt: Der Wein kam von den alten Griechen (Übrigens ist der Name der Rebsorte Aglianico eine Ableitung aus dem Begriff Helenico – der Grieche). Wein hatte für die Griechen die Bedeutung, die er auch heute sieht. Wein ist da, um sich zu unterhalten. Es war ein Getränk für Intellektuelle. Von daher trinkt man einen Wein auch am besten in Gesellschaft, während einer guten Unterhaltung. Die Namen seiner Weine sind genau diesem Konzept verbunden. Er möchte, dass seine Weine genau diesem Zweck dienen.

Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen was nach Meinung von Luigi wichtig ist für einen sehr guten Wein. Es sind dies vier Dinge: Terroir, die Rebpflanze, der Mensch und die Erzählungen dazu. Er betont dabei besonders den letzten Punkt. Es genügt nicht, dass die anderen drei Punkte erfüllt sind, man muss auch darüber erzählen können, die Philisophie weitertragen können. Seiner Meinung nach scheitern daran leider einige seiner Winzerkollegen.


Abb. 6: Luigi Tecce in seinem Weinkeller

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